Grundregeln Wildackeranbau

Kiepenkerl Hegemeister® - Wildacker Premiummarke

 

 

Bauen Sie alle Mischungen mit derselben Sorgfalt an wie eine landwirtschaftliche Hauptfrucht. Unsere Wildackermischungen überstehen zwar in der Regel eine Mahd, nur im Sinne der Wildtiere wäre das nicht. Bei horstartig auftretenden unerwünschten Ackerkräutern (z.B. vorjährige aus der Wurzel ausschlagende Ackerkratzdisteln) sollten nur die entsprechenden Horste gemäht werden. Auf Platz Eins der häufigsten Anbaufehler rangiert der Mangel an den Hauptnährstoffen Kalk, Phosphor, Kalium und Magnesium. An zweiter Stelle, wenn auch mit einigem Abstand, steht die immer noch verbreitete fälschliche Annahme, dass Wildackersaatgut braucht nicht fachgerecht in ein Saatbeet eingearbeitet zu werden. Erste Voraussetzung für gesundes Pflanzenwachstum, einen Äsung und Deckung bildenden Aufwuchs und eine intakte Umwelt ist vor allem eine harmonische Nährstoffversorgung des Bodens. Auf allen ackerbaulich “unbekannten” Flächen, hierzu gehören auch die in der Vergangenheit schon länger stillgelegten Flächen, oder bei Erstanlage ist die Bodenuntersuchung bei der LUFA ein unabdingbares Muß. Viele Wildackerflächen zeigen einen erheblichen Mangel oder eine mitunter deutliche Überversorgung bei Einzelnährstoffen.

1. Standortansprüche

1.1 Der Anbau unserer Mischungen ist vom Flachland bis in die mittleren Höhenlagen des Berglandes möglich. Die jeweilige Pflanzenzusammensetzung in den Wintermonaten übersteht in der Regel Fröste bis zu -15 C°. Das Abfrieren einiger Komponenten (wie Gelbsenf, Ölrettich, Phacelia und Buchweizen) ist erforderlich und gewünscht. Standorte mit stark verringertem Lichteinfall, zum Beispiel enge Waldschneisen mit mehr als 40 % Beschattung, sind zum Anbau ungeeignet.

1.2 Bei Rohböden (Erstbestellung) kann es zu Ausfällen der Leguminosen, bedingt durch fehlende Knöllchenbakterien, kommen. Erst eine wiederholte Bewirtschaftung, zusammen mit einer ausreichenden Nährstoffversorgung (siehe Pos. 2.3 und 2.5), bewirkt eine Verbesserung der Anbaufläche. Trotz der möglichen Ausfälle dieser Komponenten, sorgt vor allem die Pioniermischung auch auf schlechten Standorten für eine Zunahme des Humusgehaltes, eine gute Bodenkrümelstruktur und eine tiefe Durchwurzelung des Bodens.

1.3 Alle Pflanzen benötigen eine Mindestmenge der Grundnährstoffe Kalk, Phosphor, Kalium und Magnesium. Nichtleguminosen sind auf zusätzlichen Stickstoff (N) angewiesen. Besonders Neuanlagen sind vielfach mit Nährstoffen unterversorgt. Die Tabellen 1 und 2 zeigen eine Übersicht der erforderlichen Nährstoffmengen zum Anbau unserer Mischungen. Zur Kontrolle der Gehaltsklassen ist es unbedingt erforderlich vor jeder Neubestellung eine Bodenanalyse durchführen zu lassen. Nur so ist der Erfolg der Anlage gesichert und der Aufwand an Dünger gering zu halten. "Eine fachgerechte Düngung versorgt Pflanzen mit den notwendigen Nährstoffen – eine Überdüngung schädigt unsere Umwelt."

2. Anbautechniken

Eine sorgfältige Vorbereitung des Bodens und des Saatbeets sind Voraussetzung für den Erfolg der Mischungen. Dünge- oder Bearbeitungsfehler lassen sich gerade auf Flächenstillegungen später kaum noch korrigieren. Im schlimmsten Fall müssen falsch bewirtschaftete Flächen frühzeitig geschlegelt oder umgebrochen werden. Wildackermischungen verhindern nicht das Wachsen von unerwünschten Ackerkräutern. Unter Einhaltung der Empfehlungen zum Anbau unterdrücken sie jedoch wirksam, durch kontrollierte Beschattung, die häufigsten und keineswegs seltenen Ackerkräuter. Nachtschatten, Kamille, Sternmiere, Knöterich Gewächse, keimende Disteln und Weißer Gänsefuß (Melde) z.B. werden von den WSM-Mischungen sehr gut unterdrückt. Der Erfolg bei den Ausläufer treibenden Pflanzen, wie Brennessel, Ampfer und Quecke, ist dagegen weniger gut bis schlecht und richtet sich nach dem Grad der Verkrautung einer Fläche zum Zeitpunkt der Bestellung.

Mit wenigen Schritten erreicht auch der landwirtschaftlich Unerfahrene eine gute Wildackerfläche:

2.1 Rechtzeitig vor der Bestellung eine Bodenprobe entnehmen. Probennehmer und Begleitunterlagen sind über den Landhandel erhältlich. Die Probe wird an eine landwirtschaftliche Untersuchungsanstalt (LUFA) gesandt, wo sie, gegen eine geringe Gebühr, auf Bodenart, pH-Wert, Gehalt an Phosphor, Kalium und Magnesium untersucht wird.

2.2 Hohen Altaufwuchs vor der Bestellung schlegeln, damit die Pflanzenreste gut eingearbeitet werden können.

2.3 Einen Kalkmangel vor dem Umbruch beheben. Auf sandigen Böden wird kohlensaurer Kalk und auf lehmigen oder tonigen Böden gekörnter Branntkalk gestreut. Eine Verbesserung von besonders sauren Böden, tritt unter Umständen erst nach ein bis drei Jahren auf. Anspruchsvolle Pflanzen, wie Raps- und Kohlarten, gedeihen auf sauren Böden nicht. Ein pH-Wert der niedriger als 5,3 liegt, ist für die Mischungen, mit Ausnahme der Pioniermischung ungeeignet. Anzustreben ist ein pH-Wert je nach Boden zwischen 5,3 und 7,0. Die Angaben in der Tabelle 1 sind einzuhalten.

2.4 Die Fläche erst unmittelbar vor der Einsaat umbrechen. Je kürzer der Zeitraum zwischen dem Umbruch und der Einsaat ist, desto wirkungsvoller ist die Ackerkrautunterdrückung der Mischungen. Eine Frostgare des Bodens wirkt sich in der Regel nur bei schweren Lehm- oder Tonböden positiv aus. Im Idealfall kommt der Pflug zum Einsatz, weil er Ackerkräuter wirksam vergräbt. Nur wo die Humusschicht gering ist (Spatenprobe), sollte die Fräse ihren Einsatz finden. Flächen die gefräst wurden sind immer stärker verkrautet als gepflügte.

2.5 Die meisten Mischungen benötigen mindestens Gehaltsklassen von B besser von C, an Phosphor, Kalium und Magnesium für optimale Ergebnisse. Flächen die einen Mangel an diesen Grundnährstoffen aufweisen sind nach dem Umbruch mit Dünger zu versehen. Bitte folgen Sie den Düngempfehlungen in der Tabelle 2 und nicht denen der LUFA für Feldfrüchte. Flächenstillegungen dürfen im Stillegungszeitraum nicht gedüngt oder gekalkt werden. Im Regelfall haben diese aber bislang landwirtschaftlich genutzten Flächen eine gute Versorgungsstufe und müssen nicht gedüngt werden. Um ganz sicher zu gehen, gerade bei schon länger stillgelegten Flächen, können Bodenproben vor dem Zeitraum der Stillegung gezogen werden. Damit besteht die Möglichkeit ggf. eine erlaubte Düngung durchzuführen oder auf den Anbau zu verzichten.

2.6 Den Boden nach dem Umbruch abtrocknen lassen (er sollte nicht mehr schmieren), damit keine zusätzlichen Bodenverdicht-ungen entstehen. Je nach Wetterlage und Bodenart ist ein Weiterarbeiten nach wenigen Stunden oder erst nach einigen Tagen möglich. Beachten Sie bitte das unter Pos. 2.4 Genannte.

2.7 Das Saatbeet wird hergerichtet und ggf. der Grunddünger leicht eingearbeitet. Im Idealfall wird mit der Drillkombination bestehend aus Kreiselegge, Walze und Sämaschine mit Striegel weitergearbeitet. Das spart zwei bis drei Arbeitsgänge und zusätzliche Bodenverdichtungen. Andernfalls wird die Egge oder der Grubber zum Einarbeiten des Düngers eingesetzt.

2.8 Die mögliche Saatzeit der jeweiligen Mischungen entnehmen Sie bitte den Analysetabellen im Katalog. Die Aussaat mit der Drillmaschine oder der Drillkombination erbringt den besten Erfolg. Die Vorteile einer Maschinensaat liegen in der gleichmäßigen Aussaatmenge und Ablagetiefe, sowie in der möglichen Einsparung weiterer Arbeitsgänge, durch Striegel und Walze.

Maschinen richtig einstellen!
Die Ablagetiefe der jeweiligen Mischungen entnehmen Sie bitte den Analysetabellen im Katalog.
Saaträder und die Öffnung der Klappen entsprechen der jeweiligen vom Hersteller angegebenen Empfehlung für die größte in der jeweiligen Mischung befindliche Saatgutart. Bitte kontrollieren Sie ggf. die in den jeweiligen Mischungen enthaltenen Ackerbohnen, Sonnenblumen, Lupinen etc. nach dem Abdrehen, sollten diese durch die Maschine angequetscht worden sein, so erhöhen Sie die Klappe um mindestens eine Stellung.

Der ideale Reihenabstand beträgt etwa 12,5 Zentimeter. "Dieser Reihenabstand ist für das Wild und die Ackerkrautunterdrückung optimal; später werden die Mischungen von alleine lichter."
Die Aussaatmenge pro Hektar ist immer durch Abdrehen der jeweiligen Maschine zu ermitteln. Abweichungen, durch Ungenauigkeiten in den Drillmaschinen, von etwa 10 Prozent pro Hektar haben keinen negativen Einfluß auf den Erfolg. Eine Entmischung des Saatgutes in der Maschine brauchen Sie nicht zu befürchten. Geben Sie bitte mehr Saatgut in den Behälter als Sie benötigen, damit die Maschine ordnungsgemäß bis zum Schluß arbeitet. Restsaatgut kann ohne Probleme nach einem Jahr verwendet werden, wenn es dunkel, kühl und trocken gelagert wurde.
Auf Wildäckern wird vielfach mit der Hand gesät, obwohl auch hier die Vorteile einer Maschineneinsaat überwiegen. Für eine Saat mit der Hand ist die entsprechende Aussaatmenge auf die Flächengröße zu beziehen, abzuwiegen und gleichmäßig zu verteilen. Das Saatgut muß anschließend mit der Egge 2 cm tief eingearbeitet werden. Auf leichten Böden ist das Saatbeet zusätzlich mit einer Walze zu verfestigen, um einen besseren Bodenschluß zu erzielen. Da die Ausfälle an Saatgut bei dieser Einsaatmethode erfahrungsgemäß höher sind als bei der Maschinensaat, geben Sie bitte einen Zuschlag von 15-20 % pro ha (z.B. 40 kg/ha statt 35 kg/ha).

2.9 Kopfdüngung von Wildäckern und Neuanlagen. Die Praxis zeigt, dass diese Flächen häufig mit Nährstoffen unterversorgt sind. Nach einer Bodenanalyse ist sehr oft eine PK-Grunddüngung und Kalkgabe erforderlich. Gleichzeitig unterliegen diese relativ kleinen Flächen einem erhöhten Äsungsdruck. Für eine bessere Konkurrenzkraft der Pflanzen empfiehlt sich daher eine Düngung im Anbaujahr mit einem Stickstoff (N) Einzeldünger. Bewährt haben sich zum Beispiel 200 Kg/ha Kalkammonsalpeter mit 27 % N Anteil, das entspricht etwa 54 Kg/ha Gesamtstickstoff. Der richtige Zeitpunkt der Kopfdüngung liegt nach etwa 14-21 Tagen, wenn die gesäten Pflanzen eine Wuchshöhe von 10-15 cm erreicht haben.

2.10 Sinnvolle Bewirtschaftung von Wildäckern. Jedes Jahr die Hälfte der Ackerflächen im Rotationsverfahren neu bestellen, bedeutet halbe Arbeitszeit und Kosten. Dem Wild stehen somit weiterhin die Hälfte der Flächen zur Verfügung. Unsere Mischungen sind bewiesener Maßen über viele Jahre selbstverträglich.

Der LUFA-Tipp zur Bodenprobennahme

Analysewerte sind nur bei ordnungsgemäßer Probenentnahme aussagekräftig.

Folgendes ist zu beachten:

Zeitpunkt

Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, jedoch nicht unmittelbar nach einer Düngung, alle zwei bis drei Jahre wiederholen. Geräte für die Probennahme: Spaten, Löffel oder Bodenprobennehmer (Letzterer ist zu leihen im Landhandel), Eimer, sauberer Plastikbeutel oder LUFA Kästchen und Tüten, wasserfester Stift zum beschriften der Probenbehälter.

Entnahme der Probe

Pro Fläche etwa 12 Einzelproben nehmen (kreuz und quer; von einer Ecke zur anderen); mit dem Spaten auf gewünscht Tiefe in den Boden einstechen und Erdscholle ausheben (Wildäcker 30 cm; Wildwiesen 10-15 cm); im Erdloch mit dem Löffel an der geraden Schnittfläche von unten nach oben gleichmäßig viel Erde abschaben, oder die Erde vom Aushub gleichmäßig von unten nach oben abnehmen. Noch einfacher geht die Bodenentnahme mit dem Probennehmer (Selbermacher können sich leicht einen aus Wasserrohren herstellen). Einzelproben einer Fläche in einem Eimer sammeln und vermische. Etwa 500 Gramm dieser Erdmischung werden dann verpackt und beschriftet (Name und Fächenbezeichnung)

Versand

Geben Sie die Proben und Begleitunterlagen entweder im Landhandel ab, oder schicken Sie diese direkt an eine LUFA in Ihrer Nähe.

Kosten

Die Kosten einer Standarduntersuchung mit Bodenart liegen zwischen 10,- und 15,- EUR.

Adresse

Auskunft über Ihr nächstgelegenes Landwirtschaftliches Institutszentrum (LUFA) erhalten Sie beim:
Verband Deutscher Landwirtschaftlicher Untersuchungs- und Forschungsanstalten (VDLUFA)
c/o LWK Rheinland, Untersuchungszentrum Bonn-Roleber, Siebengebirgsstraße 200, 53229 Bonn
Tel.: 02 28 / 434 – 25 11, Fax: 02 28 / 434 – 24 74
www.VDLUFA.de

 

Achtung sämtliche Wildackerartikel sind ab sofort nur noch in unserem Wildackershop erhältlich.

 

Diesen erreichen Sie unter dem folgenden Link:

Wildackershop Bruno Nebelung